Berliner Zeitung ^ (Link)
Erfolgreiche Schnapsideen
Die Berliner Band Cosma hat die neue Berlin-Hymne geschrieben und außerdem einen guten Draht zu Whoopi Goldberg
Rammt sich ein Keyboarder eine Axt in den Fuß, hat das unmittelbare Auswirkungen auf sein Tastenspiel. Diese Erfahrung musste auch Christian Jaeger von der Band Cosma kürzlich machen. Nur wenige Tage vor dem BerlinMusicClash, einer Art Grand Prix der Berliner Bezirke, verletzte sich der junge Mann auf brachiale Weise beim Holzhacken. Intensivste Pflege, Fürsorge und gutes Zureden seiner Mitmusiker machten es möglich, dass der Keyboarder zum Auftritt Pedal und Fußschalter wieder bedienen konnte. Mit Erfolg - die fünf Berliner machten den ersten Platz. Und das zum zweiten Mal in Folge.
Doppelsieg mit Folgen
Anfang September haben die fünf Studenten bereits den Wettbewerb um die neue Berlin-Hymne gewonnen. Berliner Pilsener suchte mit einer Kampagne nach einer solchen. Mehr als 360 Bands hatten Lieder eingereicht, vier davon durften mit The BossHoss vor etwa 8 000 Leuten spielen. Das Publikum entschied, dass Cosma "die Band war, die am meisten gerockt hat". So zumindest deutete Boss (oder Hoss?) bei der Siegerkür das Votum für "Ich steh auf ."
"Diese Stadt ist der perfekte Ort um gänzlich unperfekt zu sein" heißt es im Refrain, unterlegt von einem verzerrten E-Gitarren-Riff. Sänger und Texter Matthias Kaatsch erzählt von einer Art Hass-Liebe zur Stadt. Von Versäumnissen der BVG, von der schlechten Luft und vom nicht enden wollenden Zuzug der Neu-Berliner. Am Ende kommt er aber zu dem umgekehrten Schluss, dass Berlin genau deshalb so gut ist und singt: "Ich steh' auf Berlin."
Kein Wunder, vier der fünf Bandmitglieder sind in Treptow aufgewachsen, Schmelztiegel für Cosma war das Cousteau-Gymnasium. Dort formierte sich vor neun Jahren die Schülerband, für die es jetzt so richtig gut läuft. Als Macher der Berlin-Hymne durften die Newcomer vorige Woche auf der Eröffnungsparty der Popkomm spielen. Nach einigen Konzerten in Dresden, München und Chemnitz spielen sie heute Abend um 21 Uhr ein kleines Heimspiel in der Kreuzberger Junction Bar.
"Wir sind voll damit beschäftigt, unser Album vorzustellen", sagt Bassist Jacob Hardt. "Schlicht und ergreifend", so der Titel, wurde im April veröffentlicht. Auf eine Musikrichtung wollten sie sich dabei nicht festlegen, lieber jonglieren sie mit Pop-Balladen, Indie-Krachern, Elektro-Punk oder Latin-Rock. In einer anderen Sprache zu singen, stand für sie nie zur Debatte. "Wir wollen uns nicht hinter fremden Sprachen verstecken, die Muttersprache ist doch am authentischsten", sagt Maxim Garbusow, der so schnell redet, wie er Schlagzeug spielt. Für ihr Debüt haben zwei der fünf Musiker Anfang 2007 das Label A+O gegründet. "Das war eigentlich so eine Schnapsidee", erzählt Jacob Hardt, "aber die haben uns schon immer Glück gebracht". Einer Bandprobe "in Bierlaune" ist auch die Idee entsprungen, Whoopi Goldberg das Intro und Outro eines Liedes sprechen zu lassen. Fragt man, wie sie das denn geschafft haben, dann grinsen die fünf. Und erklären später, man hätte "ganz gute Connections" zu deren Synchronstimme Regina Lemnitz.
Dass ihre Berlin-Hymne nicht für den Werbespot von Berliner Pilsener benutzt wird, hat die Band erst sehr spät erfahren. "Es war leider nie so konzipiert von Berliner Pilsener, auch wenn die Ausschreibung bei allen Bands solche Hoffnungen geschürt hat", sagt Jacob Hardt. "Wir sehen es heute als Startschuss, und gehen unseren Weg alleine weiter. Nur ohne Axt im Fuß."
von Silke Janovsky
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Uncle Sallys ^ (Link)
"Mit Stromgitarren lässt's sich leichter gegen den Strom schwimmen", vermerken Cosma nach Abschluss ihrer einjährigen Unterwasserexpedition. Folglich bleiben die Landratten aus dem Ostberliner Urstromtal bodenständig, tauchen aber trotzdem rege im Grenzgewässer zwischen Funk und progressivem Rock herum. Der Sänger gibt dabei nach wie vor gekonnt den sterbenden Schwan. Wären City oder Silly noch mal jung, sie klängen vielleicht ein wenig wie Cosma. Stellenweise verzettelt sich der Fünfer ein wenig, alles in allem macht er auf "Schlicht Und Ergreifend" aber einen guten Job in Sachen anspruchsvoller Stadionpoesie.
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Popmonitor ^ (Link)
Beinahe schon Live-Veteranen in der Berliner Band-Szene sind COSMA. In den vergangenen zwei Jahren bespielten sie fast jeden Club der Stadt, zwischendurch erblickten zwei Platten das Licht der Welt. Das nunmehr dritte Album hat die Combo Schlicht & Ergreifend betitelt. Ihren Stil in knappe Worte zu fassen, ist kaum möglich. Stakkato-Gitarren zwischen Funk-Parts und klassisch angehauchten Pianoläufen, manchmal ein Saxophon zwischendrin, Querflöte, Posaune und Akkordeon haben auch Gastauftritte, und darüber ein Gesangsstil, der so ambitioniert wie eigenwillig wirkt - textlich und auch in Sachen Intonation. Klingt beim ersten, zweiten, dritten Hören ganz schön überladen, funktioniert nach langem Anlauf aber doch auf wundersame Weise.
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